Von der grünen russischen Matschepampe zum weltweiten Smoothie-Trend

Grüne Smoothies Foto: pixabay xxolgaxx

Grüne Smoothies
Foto: pixabay xxolgaxx

„Lauf! Mami macht wieder die grüne Matschepampe“, schrie die kleine Valya ihrem Bruder im Garten zu als ihre Mama Victoria Boutenko eine Energiesuppe zubereitet hatte, die aus pürierten Sprossen, Avocado und Äpfeln bestand. Boutenko war von der heilkräftigen Wirkung der Suppe überzeugt und fest entschlossen, ihre Familie und sich von diversen Krankheiten zu befreien. Zuvor hatte die russische Krankenschwester ein Seminar am Health Institute in Michigan besucht und war von den vielen Erfahrungsberichten ehemals schwer kranker Menschen, denen die Suppe geholfen hatte zu genesen, beeindruckt. Trotzdem musste sie sich eingestehen, dass ihre Kinder Recht hatten. Die Suppe schmeckte einfach nicht und es kostete große Überwindung, sie zu löffeln. Seit diesem Tag gab es die Energiesuppe bei den Boutenkos nie wieder.

Die besten Ernährungsberater sind Schimpansen

Schimpansen wissen was ihnen gut tut Foto: pixabay, BelaMarie

Schimpansen wissen, was ihnen gut tut
Foto: pixabay, BelaMarie

Aber Boutenko gab nicht auf! Jahrelang studierte sie wissenschaftliche Literatur. Sie wollte herausfinden, ob und wie Menschen durch Ernährung gesund werden können. Gründe hatte sie genug: Ihr Mann litt an einer schweren Überfunktion der Schilddrüse und an Arthritis, eines ihrer Kinder hatte Diabetes, das andere Asthma und sie selbst kämpfte mit Herzproblemen, Ödemen und Depressionen.

Antwort fand sie bei den Schimpansen. In ihrem Buch „Green for life“ führt sie aus, dass Menschen und Schimpansen 99,4 Prozent identische Gensequenzen hätten.
„Wenn Schimpansen und Menschen wirklich so eng miteinander verwandt sind und wenn die Erforschung dieser engen Verwandtschaft so entscheidend wichtig für unsere Gesundheit ist, dann frage ich mich, warum wir Menschen die Studienergebnisse nicht in beide Richtungen anwenden? Ich frage mich, wie es angehen kann, dass wir die schlimmsten Krankheiten des Menschen auf Schimpansen übertragen, aber nichts von ihnen lernen? Warum sollen wir zumindest nicht einmal ausprobieren, was sie essen?“, so Boutenko.

Für sie glich es einer Offenbarung als sie feststelle, dass sich Affen nicht – wie in den Medien häufig dargestellt – überwiegend von Bananen und anderen Früchten ernähren, sondern ihr Speiseplan je nach Saison aus bis zu 50 Prozent Blattgrün besteht. Allerdings sei dieses Blattgrün nicht mit unserem Gemüse vergleichbar und könne genau so wenig durch Fruchtgemüse wie etwa Gurken, Tomaten oder Paprika ersetzt werden. Boutenko ist überzeugt, dass nur die tatsächlich grünen Blätter von Pflanzen, also zum Beispiel das Grün der Karotte oder der roten Bete, Salate, Kräuter, Blätter von Bäumen oder auch Gräser eine dauerhafte und tiefgreifende gesundheitliche Wirkung erzielen können.

Laut Jane Goodall, der bekannten Schimpansenforscherin, besteht die Ernährung wild lebender Menschenaffen je nach Saison aus etwa 50 Prozent Früchten, 25 bis 50 Prozent Blattgrün, bis zu fünf Prozent Samen und Nüssen (inklusive Baumrinde und Pflanzenmark) und einem kleinen Teil tierischer Nahrung. Affen sind also keine reinen Pflanzenfresser, sondern Allesfresser, da sie neben der überwiegend pflanzlichen Nahrung auch Insekten und kleine Säugetiere fressen.

Die Lösung des Grüngemüse-Problems

Mit diesem Hintergrundwissen ausgestattet, experimentierte Boutenko weiter. Irgendwie musste es doch gelingen, das bis dato weitgehend verschmähte Blattgrün in größeren Mengen zu verzehren.

Im Jahr 2004 hatte sie die entscheidende Idee: Sie mixte bitteres Blattgrün und süße Früchte in einem Standmixer zu einer schmackhaften grünen Energiesuppe. Dieser Prototyp der Grünen Smoothies bestand aus Grünkohl, vier Bananen und einem Liter Wasser. In ihrem Buch berichtet sie: „Ich probierte ein Schlückchen… und war begeistert! Es schmeckte mehr als lecker! Nicht zu süß, nicht zu bitter. Das war der ungewöhnlichste Geschmack, den ich je probiert hatte, und ich konnte ihn nur mit einem Wort beschreiben: Frische!

Mit einem siegestrunkenen Gefühl wurde ihr klar, dass sie an diesem Abend zum ersten Mal im Leben zwei Bund Grüngemüse an einem einzigen Tag verzehrt und es sogar genossen hatte. „So überraschend einfach war also die Lösung meines Grüngemüse-Problems“, stellte Boutenko fest.

Grüne Smoothies bestehen nach der Boutenko-Methode aus viel Blattgrün, Kräutern und süssen Früchten Foto Kerstin Buch

Grüne Smoothies bestehen nach der Boutenko-Methode aus viel Blattgrün, Kräutern und süssen Früchten
Foto Kerstin Buch

Fortan mixte Boutenko täglich Grüne Smoothies für ihre Familie, Freunde und Kollegen. Allen ging es nach dem regelmäßigen Genuss der Grünen Smoothies besser. Sie fühlten sich fitter, ausgeglichener und insgesamt gesünder. Die zahlreichen Dankesbriefe und der sichtbare Erfolg dieser Kost beflügelten Boutenko und sie wurde erst regional und später weltweit zur Botschafterin für Grüne Smoothies.

Wenn Boutenko damals nach dem Erlebnis mit der grünen Matschepampe aufgegeben hätte, gäbe es den Grünen Smoothie heute vermutlich nicht. Denn die inzwischen in die USA ausgewanderte Russin gilt als Erfinderin der Grünen Smoothies und hat damit einen weltweiten Trend ins Leben gerufen, der Menschen zu einer besseren Gesundheit verhelfen kann.

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